Nach Wiesemann-Rücktritt: Was Reformkräfte für Bischofswahlen fordern

Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle hat den Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann erschüttert. „Wir sind Kirche“ stellt Forderungen an den Papst.

Von KNA

Die Initiative „Wir sind Kirche“ fordert Papst Leo XIV. auf, als Nachfolger des zurückgetretenen Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann einen reformorientierten Kandidaten zu ernennen und das Bistum sowie das Kirchenvolk an der Suche zu beteiligen.

Wiesemanns Rücktritt nannte die Laienbewegung in einer Mitteilung von Freitag, 21. August, eine „Folge der persönlich wie strukturell überfordernden Ausformung des Bischofsamtes, die alle Verantwortung auf eine Person konzentriert“. Auch die Größe der deutschen Bistümer trage zur Überlastung bei.

Wiesemann war am Mittwoch, 19. August, aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurückgetreten. Als einen der Gründe nannte er auch seine seelische Erschütterung infolge der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in seinem Bistum.

Wiesemann hat Kirche 18 Jahre lang geprägt

„Wir sind Kirche“ zollte Wiesemann Respekt für seinen offenen Umgang mit seiner persönlichen Situation. In seinen 18 Jahren als Bischof von Speyer habe er die katholische Kirche in Deutschland wesentlich geprägt – unter anderem als Vorsitzender der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz und als Leiter der Glaubenskommission. 

An der Reforminitiative „Synodaler Weg“ habe er sich aktiv und konstruktiv beteiligt und sich im Synodalen Ausschuss deutlich für verbindliche Strukturen einer synodalen Kirche ausgesprochen.

„Wir sind Kirche“ würdigte außerdem Wiesemanns Unterstützung für das Frauendiakonat und die Aufhebung des Pflichtzölibats. Das Bistum Speyer müsse die unter seiner Leitung eingeführten synodalen Beratungs- und Entscheidungsgremien fortführen.

Laienbeteiligung soll Standard werden

Zwar ernennt der Papst den Speyerer Bischof aufgrund des Bayerischen Konkordats nach freiem Ermessen. Grundsätzlich fordert die Laienbewegung jedoch eine grundlegende Reform der Bischofsernennungen: In einer synodalen Kirche müsse die Beteiligung des Kirchenvolkes Standard werden.

„Wir sind Kirche“ ist eine Vereinigung, die auf Veränderungen in der katholischen Kirche drängt. In mittlerweile rund 30 Ländern engagieren sich Mitglieder unter anderem für mehr Gleichberechtigung, eine neue Sexualmoral und eine stärkere Beteiligung von Laien.

https://www.kirche-und-leben.de/artikel/bischof-wiesemann-ruecktritt-bistum-speyer-neuwahl-rolle-papst-leo-xiv-laien-beteiligung-wir-sind-kirche

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